Wellness im Valser Tal

Wellness im Valser Tal

Vom Weingut der Bettonis geht es weiter vom Tessin über den Gotthard Pass nach Graubünden. Bislang gibt es noch nicht allzu viele PlaceToBee Gastgeber in Graubünden; doch der erste Hof, den wir euch vorstellen wollen, liegt im Valsertal.
Nachdem man die Serpentinen durch das steile Tal entlang erklommen hat, kommt man auf gut 1000 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Hof Cons in Surcasti an.

Hier befindet sich der Hauptstall, den Milchkühe, Aufzuchttiere, Mastkälber und Hühner ihr Zuhause nennen. Die sechs-köpfige Familie Derungs-Loretz wohnt gleich nebendran.
Zu der Familie gehören Rafael, seine Frau Marianne und ihre vier Kinder Toni Andri, Rino Maurin, Amira Mia und Tino Fadri. Marianne kümmert sich als Mutter und gelernte Tierärztin gleichzeitig um die Direktvermarktung des Hofes, während Rafael als gelernter Landwirt und Kaufmann den Hof leitet und sich mit innovativen Ansätzen den Herausforderungen eines heutigen Bauers stellt.

Jung, innovativ und nachhaltig

Hier nur eines von vielen Beispielen: Unter dem Motto „Meine Kuh – mein Käse“ bieten sie Alpkäseliebhabern, die keine eigene Kuh besitzen an, eine ihrer Kühe für einen ganzen Alpsommer zu mieten. Zu diesem Konzept gehören die Pflege der Kuh und der aus der Milch hergestellte Käse. Ebenso ist der Hof Cons Mitglied der Alpkorporation „Alp Cavel“. Sie ist ein Zusammenschluss von 22 Mitgliedern und hat die Alp, die zwischen 1700 und 2800 Metern über dem Meer liegt von der Gemeinde Ilanz gepachtet. Die Alp wird im Sommer von bis zu 70 Milchkühen genutzt und von Mitarbeitern rundum betreut. Dies bedeutet: Tiere von der Weide holen, einstallen, melken, Tiere wieder auf die Weide bringen, Ställe ausmisten, Zäune erstellen und vielem mehr.
Von dort stammt auch ihr Alpkäse „Cavel“, der sorgfältig von einer Sennerin hergestellt wird und im Winter auch dort oben lagert.

Die Kälber werden von umliegenden Bio-Milchbauern hinzugekauft, um möglichst viel Wertschöpfung im Tal zu erzielen. Jetzt zum Winter hin werden die Tiere von den Alpen im Val Lumnezia wieder zurück in den Stall geführt und dort mit dem Heu gefüttert, welches die Familie im Sommer selbst auf ihren gut 62 Hektaren geerntet hat. Denn die durchschnittlich 100 Rinder haben einen gewaltigen Hunger. So verputzen sie bis zu einer Tonne Heu pro Tag.
Wie aufwendig die Heugewinnung ist und wie sehr die Qualität und der Ertrag von den Witterungsgegebenheiten in den Höhenlagen abhängen, erklärt Rafael gerne. Ganz zu schweigen vom Mähen in den steilen Hängen. Die Familie hat also ganzjährig viel zu tun und alle helfen dabei mit, so gut sie denn schon können.

Rafael und Marianne haben sich in Vals kennengelernt und stammen beide aus der Region. Und nicht nur als Familie sind sie ein perfektes Team sondern eben auch als Verantwortliche für ihr Land und ihre Tiere. Und schon die Kleinsten haben ihre Leidenschaft für das Leben auf dem Bauernhof mit den Tieren entdeckt. Die Kinderschar soll die Vielfalt der Tierwelt und das Leben in der Natur erfahren. Toni Andri ist technikbegeistert und interessiert sich für die Maschine am Hof, Rino Maurin ist ein Energiebündel und hält alle Tiere auf Trab und fängt entlaufene Hühner wieder ein, Amira Mia hat das Gitzi Blääri mit viel Geduld gezähmt und Tino Fadri ist voller Hingabe zu seiner Kuh Polly.

Neben dem Hof Cons, wo sich das Wohnhaus befindet, bewirtschaften die beiden im Weiler Masauns in Camuns noch einen weiteren Pachtbetrieb. Dort finden die Mutterkühe und die Ziegen ihr Quartier.
Vom Hof Cons aus kann man den zweiten Hof sehen. Er befindet sich quasi direkt gegenüber – auf der anderen Seite des Tals. Luftlinie eigentlich nicht weit entfernt, doch mit dem Auto geht es die Serpentinen wieder hinunter und wieder steil hinauf. Rafael zeigt mir den zweiten PlaceToBee Platz. Da sich für heute niemand mehr angemeldet hat, darf ich mir einen aussuchen. Und was soll ich sagen: ich kann mich nicht entscheiden und verlängere meinen Aufenthalt um eine Nacht, um gleich beide auszuprobieren. Ausserdem gibt es im Valser Tal so viel zu sehen und zu erleben.

Alle fünf Sinne

Auf den ersten Blick scheint die Ruhe zu überwältigen. Doch im Valser Tal verbirgt sich so viel mehr. So ist das Tal mit dem kleinen Dörfchen Vals – man sagt es habe 1000 Einwohner, 1000 Betten und 1000 Schafe – eine bekannte Region, an dem alle fünf Sinne stimuliert werden.

Die Schweizer unter euch werden das berühmte Mineralwasser kennen. In den Valser Mineralquellen erfährt man, wie das Quellwasser nach 25 Jahren Reise durch den Berg in die Flasche kommt. Doch wer das Wasser nicht nur trinken, sondern darin baden möchte und nach tiefer Entspannung sucht, ist in dem Valser Thermalbad sehr gut aufgehoben. Nicht nur für den Körper ist das Mineralbad mit Klang- und Duftwelten eine Wohltat, sondern auch für das Auge sind das Ambiente und die Architektur eine wahre Wonne. Dieses Meisterwerk wurde vom Stararchitekten Peter Zumthor designed und besteht aus 60.000 Platten des Valser Quarzit. Somit kommen auch Architekturinteressierte voll auf ihre Kosten. Das Erscheinungsbild des Tals wird ebenso geprägt durch die traditionellen Häuser. Sie werden alle mit den Platten aus dem heimischen Quarzit anstatt mit Ziegeln gedeckt.

Eine weitere Schönheit ist der Ausblick selbst über die Berge und Alphöhen hinweg hinunter in das tiefliegende Tal, durch den sich der sogenannte „Valser Rhein“ schlengelt. Rundherum finden sich wunderschöne Wanderwege, Seen und weitere Ausflugsziele. So schlägt Marianne die Hängelahütte, Kräuterkurse, einen Vogellehrpfad oder die Hängebrücke Tersnaus-Camuns vor. Ich entscheide mich für letztere, da sie gut vom Stellplatz am zweiten Hof in Camuns aus erreichbar ist.

Als Wegproviant versorge ich mich mit allerlei Köstlichkeiten aus dem gleichnamigen Hofladen „Buontads“. Die Produkte aus den eigenen Rohstoffen und Zutaten werden selbst oder von regionalen Produzenten hergestellt. Marianne, die für die Vermarktung verantwortlich zeichnet, erweitert stes das Angebot. So warten in den autarken Hoflädelis in Surcasti und Camuns Fleisch, Käse, Konfitüren, Sirup, getrocknete Früchte, Gebäcke, Spätzli, Eingemachtes und vielerlei mehr darauf, verspeist zu werden. Die Produkte und auch individuell zusammengestellte Geschenkkörbe können auch auf der Website www.buontads.ch bestellt werden.

Gerne wäre ich noch länger geblieben, doch meine Reise führt mich weiter ins Bündner Land. Dort wartet der nächste Gastgeber. Seid gespannt…

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